Lust auf Musik machen

gieenIn Gießen ist ein neuer Musikdramaturg am Theater. Der Verein der Freunde des Theaters Gießen haben ihn zum Gespräch eingeladen.

Er habe, so sagte der neue Musikdramaturg Christian Münch-Cordellier am Stadttheater Gießen, „große Neugier, um den Horizont zu erweitern.“ Enthusiastisch stellte er seinen Lebens- und Berufsweg beim ersten Saisontreffen des Theatervereins dar, was sich auf die zahlreichen Mitglieder im taT übertragen hat, wie besonders beim Schlussapplaus zu erkennen war. Und Neugier als Verlangen nach Unbekanntem und Außergewöhnlichem scheint ein Wesensmerkmal von ihm zu sein, weshalb er auch in Gießen seine erste Stelle als verantwortlicher Musikdramaturg annahm.

Dass Münch-Cordellier, der den Namen seiner Frau anfügte, nicht nur von der Suche nach Besonderem geprägt ist, sondern ebenso Bodenständigem und Traditionellem zuneigt, wurde an seiner Biographie und Musikneigung deutlich: Geboren 1980 in Frankfurt gründete er mit 15 einen Jugend-Projektchor sowie kammermusikalische Gruppe, angeregt besonders von der Musik Hindemiths, und mit 18 ein Jugend-Musik-Ensemble, deren Dirigent und künstlerischer Leiter er bis heute ist. Gospelchor und Fagott gehören auch zu seiner Musikentwicklung. Nach dem Studium (evangelischen Theologie, Religionsphilosophie, Germanistik, Musikwissenschaft) in Marburg und Frankfurt zog es ihn doch zur Musik z.B. als Mitarbeiter an der Oper Frankfurt in verschiedenen Positionen oder als Programmhefttexter. Familiär gebunden in Hamburg, ist er doch immer mit Hessen verbunden.

Jetzt sei er dabei, seine Rolle als Musikdramaturg am Stadttheater zu finden, nachdem er wie ins kalte Wasser in die ersten Musikproduktionen der Saison gesprungen sei. Zeit („schnell ist etwas zu regeln“) und gute Selbstorganisation seien wichtig, um allen Anforderungen zu genügen: Planen, Gespräche führen, Material sichten, Texte erstellen und wesentlich Kooperationen bewerkstelligen. Seine Musikinteressen sind breit über die Epochen bis zur zeitgenössischen Moderne und deren Aufführungspraxis gestreut. So passt auch die Anmerkung, „musikalisch ist Bach Mutter- und Hindemith Vatersprache“, um sodann von baltischer Musikkultur empfehlend zu schwärmen und zu wünschen, dass mehr Dirigentinnen und Komponistinnen zur Geltung kommen sollten.

Mit Verweis auf seine 13.000 CDs sind neben dem entdeckenden Hören für Münch-Cordellier mehr die Beihefte als Informationsquelle von Bedeutung. „Radio-, eher nicht Volksmusik“ nehme er zur Kenntnis, und von der regionalen Musikszene würde er gern etwas erfahren, wenn Zeit bliebe, denn Gießen habe doch ein sehr aufgeschlossenes Publikum.

Joachim Brauner vom Vorstand des Vereins der Freunde des Theater Gießen moderierte den Abend und konnte den nun praktizierenden Musikwissenschaftler nach seiner Botschaft und Zielen fragen. Münch-Cordelliers Antwort: „Menschen mit Musik erreichen, ohne Predigt“, um Offenheit zu erreichen, Vorurteile aufzubrechen und Dialoge zu ermöglichen.

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