Eine Begegnung mit den Neuen im Vorstand

In Nachfolge des Dreigestirns Prof. Dr. Achim Weizel, Ulla Hofmann und Helen Heberer wurden auf der Mitgliederversammlung des Vereins am 24. Oktober 2021 Christian Haas, Petra Eder und Prof. Dr. Heidrun Kämper neu in den Vorstand des Vereins gewählt, dem weiterhin der Vorsitzende des Beirats, Andreas Hilgenstock, Marc Stefan Sickel als Vertreter der Intendanz und Matthias Bretschneider als Schatzmeister angehören.

Ein großer Kreis von FreundInnen, darunter viele, die dem Verein seit Jahren mit großem Engagement verbunden sind, nutzten gern die Gelegenheit, Privates und Persönliches aus dem Leben der Drei zu erfahren. Opernintendant Albrecht Puhlmann nahm dieses Anliegen auf und steuerte mit seinen Fragen gut vorbereitet und sympathisch das Gespräch.

Christian Haas ist als Erster Vorsitzender des Vereins auch dessen Vertreter im Kuratorium der Stiftung Nationaltheater und wurde auch dort zum Vorsitzenden gewählt. Zwischenzeitlich ist er auch als sachkundiger Einwohner Mitglied im Kulturausschuss der
Stadt. Als gebürtiger und von seiner Heimatstadt bis heute überzeugter Mannheimer wurde er nach seinem Germanistikstudium von Prof. Dr. Hans Raffée als Geschäftsführer des aufstrebenden Alumni-Netzwerkes ABSOLVENTUM der Universität Mannheim geworben. Mit heute 7.500 Mitgliedern ist es inzwischen das größte seiner Art in Deutschland. Mit dem Vorsitz bei den Freunden und Förderern hat Haas seinen Beruf nun auch zum Hobby gemacht. Die enge Verbundenheit von Professor Raffée mit dem Nationaltheater spielte der lange gewachsenen Leidenschaft des jungen Geschäftsführers für die Oper in die Hände. Im Theater kann Haas sich vom Stress des Alltags erholen, sich fallen lassen und genießen. Er geht gerne unvorbereitet in die Vorstellungen, lässt sich überraschen und von dem Gebotenen begeistern. Diese Begeisterung bricht sich Bahn, als Haas neben seinen profunden Ausführungen zu Aufführungen der letzten Jahrzehnte, geradezu schwärmerisch über das Theater als der perfekten Illusion zu sprechen kommt, mit seinen vielfältigen Anregungen für alle Sinne. „Theater ist wunderbar“, so sein Fazit.

Petra Eder ist schon seit fast 20 Jahren Mitglied bei den Freunden und Förderern. Der Besuch der damals umstrittenen „Carmen“-Vorstellung entfachte bei ihr 2003 die alte Begeisterung für das Theater neu. Über den Besuch der „Begegnungen“ entstanden die ersten Kontakte zu den Freunden und Förderern, für die sie seither auch lange ehrenamtlich aktiv tätig war, bevor sie sich im letzten Jahr für das Amt einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden bewarb. Beruflich seit Jahren als Produktmanagerin bei einem Softwarekonzern engagiert, bringt sie aus dem Studium neben der Anglistik auch Wissen aus Kommunikations- und Medienwissenschaften in das Gremium ein. Die intensive Vor- und Nachbereitung der besuchten Aufführungen gehört für sie zum Theaterbesuch dazu. Das klingt auch durch, wenn sie über Details aus Aufführungen schwärmt, die schon Jahre zurück liegen. Gerne schaut sie Stücke auch mehrfach an, um die Details zu durchdringen - „je häufiger man es sieht, desto spannender wird es“.

Prof. Dr. Heidrun Deborah Kämper kam 1993 als promovierte Germanistin nach Mannheim, wo sie als Abteilungsleiterin am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache unter anderem mit der Entwicklung von Sprache und Gesellschaft befasst war und bis heute noch ist. Ihr Theater- Schlüsselerlebnis ist eine Aufführung von Peter Steins „Orestie“ 1980 in Berlin, die sie von ihrem Studienort Braunschweig aus besuchte. „Was da auf der Bühne passiert, ist nur grandios. Da war das Sitzen über neun Stunden ohne Bestuhlung auf flachen Stufen schnell vergessen“, schwärmt Heidrun Kämper. Mit einem vergleichsweise illustren Lebenslauf mit Stationen in Hamburg, Braunschweig, Sarajevo und Istanbul und ihrem kommunalpolitischen Engagement als Stadträtin wird sie das Vorstandsteam bereichern.
Zentrales Thema des (zunächst auf drei Jahre) neu gewählten Vorstands ist die Begleitung der Sanierung des ausgezeichneten und noch immer hoch funktionalen NTM-Gebäudes am Goetheplatz. Im Vordergrund stehen dabei die Mitnahme der Mitglieder an die Ausweichspielstätten – kein Mitglied soll dabei verloren gehen, die Ansprache und Gewinnung neuer FreundInnen und die Organisation der Veranstaltungen des Vereins unter den geänderten räumlichen Bedingungen. Zugleich soll aber die (Vor-)Freude auf das große Haus am Goetheplatz gepflegt und erhalten werden.

Auch finanziell wollen die Freunde und Förderer zur Sanierung beitragen und haben dazu das „500.000 EUR Projekt“ gestartet. Das Geld soll unter anderem für einen neuen Bühnenvorhang im Opernhaus verwendet werden. Begleitend will der Verein aber auch zur

Wissensvermittlung beitragen und in einer Art „Kulturgeschichte des Theatervorhanges“ alles Wissenswerte zu den Theatervorhängen der Welt zusammentragen und dem interessierten Publikum präsentieren. Bei allen Herausforderungen sieht der neue Vorstand vor allem große Chancen, wenn es darum geht, sich im Zuge der Sanierung mit dem Nationaltheater auf den Weg zu machen und neue Bühnen zu erobern und später – vielleicht zum 250. Jahrestag des Nationaltheaters 2027 – die rundum erneuerte Spielstätte am Goetheplatz mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck wieder in Betrieb zu nehmen.

Zur großen Freude aller Anwesenden hatte Albrecht Puhlmann die Sopranistin Seunghee Kho für die musikalischen Glanzpunkte des Abends gewinnen können. Frau Kho war beim Vorsingen für die aktuelle Neubesetzung des Opernstudios aufgefallen, aufgrund ihrer herausragenden Leistung dann aber direkt als festes Ensemblemitglied übernommen worden. Sie begeisterte in Begleitung des Solorepetitors am Nationaltheater, Sebastian Ludwig, mit der Arie der Fiordiligi aus Mozarts „Cosi fan tutte“ und der Arie der Lauretta aus Puccinis „Gianni Schicchi“.

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