Rückendeckung für die Theater?

Die Situation ist natürlich sehr unterschiedlich – wie sollte es anders sein. Auslöser dieser Umfrage war das Bekenntnis des Gelsenkirchener Oberbürgerbürgermeisters Baranowski, dass er vor den MUTHEA-Mitgliedern während des Jahrestreffens formuliert hat. Es ist nicht nur die feste Zusage, dass die Stadt sich stetig um den technischen Erhalt des Musiktheaters im Revier kümmert. Nein, auch persönlich zeigt er großes Interesse und versucht, in einer Spielzeit alle Produktionen zu besuchen.
Bei solchen Äußerungen kann man natürlich neidisch werden – und schnell war unter den Teilnehmern klar, dass viele sich ein solches Bekenntnis der lokalen Politiker ebenfalls wünschen würden.
Die Rückmeldungen aus ganz Deutschland zeigen aber, dass auch andernorts die Kommunen sich für ihr Theater engagieren. In vielen Gemeinden wird das Machbare getan, aber bisweilen sind sie mit ihren freiwilligen Aufgaben auch überfordert. Was aber häufig bedauert wird, ist die fehlende Präsenz der Ratsmitglieder im Theater. „Es gibt zwar auch ein eindeutiges Bekenntnis unseres OBs zu unserem Theater, aber mit den regelmäßigen Besuchen ist es nicht so toll!“ ist zum Beispiel zu hören.
Grundsätzlich ist das Verhältnis aber gut: „Ein erfolgreicher Weg zu gegenseitigem Vertrauen. Stadtverwaltung, Bevölkerung und TheaterFreunde schaffen gutes Klima für das Stadttheater“, meldet Michael Pistecky von den Theaterfreunden Freiburg. Und Gerd Lepges aus Oberhausen vermeldet: „Zahlreiche Ratsmitglieder und auch der Kulturdezernent und Kämmerer sind ordentliche Mitglieder unseres Freundeskreises.“
Ronny Pühn aus Zwickau kann sich ebenfalls nicht beklagen: „Unsere Oberbürgermeisterin ist sowohl Mitglied unseres Fördervereins als auch Inhaberin eines Theaterabos.“
Dennoch müssen überall die Kommunen angesichts der knappen Haushaltskassen ihre freiwilligen Leistungen (und dazu gehören die Kulturausgaben) sehr gewissenhaft verteilen. Umso erfreulicher meldet Achim Weizel aus Mannheim: „Insgesamt liegt der Anteil der Kulturausgaben der Stadt Mannheim mit etwa 5 % des Gesamtetats deutlich über den Durchschnittswerten anderer Städte.“
Und in großen Städten gibt es immer wieder Probleme bei einzelnen Häusern, so zum Beispiel in München beim Metropoltheater. Hier wurde gerade eine große Kampagne in der Stadt gestartet, um sich besser Gehör zu verschaffen. Thomas Flach vom Freundeskreis berichtet von den großen finanziellen Problemen: die Stadt München kann nur eine Höchstförderung von 150.000 € geben, der Freistaat Bayern schließt eine Förderung einer freien Bühne in München mit Landesmitteln aus. Hier versucht der Freundeskreis Metropoltheater sich entsprechend in der Politik Gehör zu verschaffen.
Ganz anders sieht es beim Münchner Volkstheater aus. Der Vorsitzende der Freunde Markus Weinkopf erzählt begeistert: „Die Förderung der Stadt ist daher hervorragend. Stadträte, Kulturreferent und ab und an der Oberbürgermeister besuchen uns regelmäßig.“ So liegen Freud und Leid bisweilen dicht beisammen.
Überall dort, wo die Kommunalpolitiker sich auch persönlich engagieren, herrscht Optimismus vor Ort. „Wir Theaterfreunde sind sehr froh, feststellen zu können, dass unsere Stadträte, der Oberbürgermeister und auch viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung dem Theater eng verbunden sind,“ meldet zum Beispiel Jens Hentschel-Thöricht aus Zittau.
Und wenn dann die Intendantin des Symphonie-Orchesters Mitglied im Rat der Stadt ist, hat der Kulturbetrieb beste Karten. So berichtet Ingrid Schrader von der sehr guten politische Situation für das Theater Hof und die Hofer Symphoniker.
Aber es gibt auch die Kommunen, wo die Theater dieses Engagement nicht erleben dürfen. Und sofort stellen sich dort Probleme ein. Gespräche verlaufen im Sande – und auch die engagierten Theaterfreunde bekommen das Desinteresse der Kommune zu spüren. Aus verständlichen Gründen möchten diese Fördergesellschaften nicht namentlich genannt werden, um nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen.
Mancherorts werden Sparziele erreicht, indem Sparten geschlossen werden. Hier meldet Ursula van den Busch von den Bremer Theaterfreunden: „Einsparungsüberlegungen seitens der FDP durch Schließung einer Sparte wurden von der Kulturpolitik mehrheitlich deutlich zurückgewiesen.“
„Wünschenswert wäre, dass Kultur als Pflichtaufgabe der Kommunen in der Landesverfassung festgeschrieben würde,“ meint Kur Tudyka aus Bonn. Dort stritten sich Sport und Kultur um die Höhe der freiwilligen Leistungen in der hochverschuldeten früheren Bundeshauptstatt.
Unter den ökonomischen Zwängen leidet auch die Hansestadt Rostock seit vielen Jahren. „Die politischen Diskussionen in Mecklenburg-Vorpommern hinsichtlich der kulturellen Situationen sind Ihnen sicher bereits bekannt. So sieht sich die Theaterlandschaft im Land seit geraumer Zeit vorrangig ökonomisch geprägten Planungen ausgesetzt,“ klagt Antje Jonas vom Förderverein in Rostock. „Mit Blick auf das Volkstheater Rostock konnten die Forderungen nach Spartenschließungen und Fusionen bisher erfolgreich abgewendet werden. Dies ist insbesondere dem Einsatz der Kulturschaffenden sowie dem kulturaffinen Teil der Bevölkerung zu verdanken. Dennoch bleibt die Lage kritisch und ist der politische Prozess noch nicht abgeschlossen.“
Die Schlussfolgerung von Antje Jonas gilt sicherlich für viele Theaterfreunde im ganzen Land: „Folglich bleibt es für die Mitglieder des Fördervereins und die engagierten Bürger unserer
Stadt eine Herausforderung, das Theater mit seinem Ensemble bei den Plänen für eine gesicherte Zukunft zu unterstützen.“ Ähnlich resümieren auch die Theaterfreunde Freiburg: „Das bürgerschaftliche Engagement der TheaterFreunde blieb von der Stadtverwaltung nicht unbeachtet.“

1000 Zeichen frei


Top