Der Ring am Nationaltheater Mannheim

Mannheim hat einen großen Ruf als Wagnerstadt. Dieser ist zum Teil historisch bedingt. Der Wagner Verband Mannheim ist der zweitälteste in Deutschland und mit etwa 800 Mitgliedern auch einer der mitgliederstärksten. Richard Wagner selbst erfuhr schon früh eine Unterstützung in Mannheim. So war der Musikalienhändler Heckel einer der ersten Förderer des Komponisten und trug durch Spenden dazu bei, dass Richard Wagner in der Lage war, das Festspielhaus in Bayreuth zu errichten.

 

Über die Jahrzehnte waren viele SängerInnen, Orchestermusiker und Dirigenten aus Mannheim in Bayreuth präsent, zu den bekanntesten zählt der Bassist Franz Mazura, der lange Jahre zum Stamm des Bayreuther Ensembles zählte.

 

Aus diesem Grund ist eine Neuinszenierung des Ring in Mannheim immer ein Ereignis, das die Theaterfreunde bewegt. Die letzte Ringinszenierung durch Martin Schüler (Intendant Staatstheater Cottbus) lag etwa 10 Jahre zurück, als sich die Intendanz entschloss, einen neuen Ring in Angriff zu nehmen. Der vorgesehene Regisseur Christof Nel gab den Auftrag zurück ; Achim Freyer, der zuletzt den Ring in Los Angeles inszeniert hatte, war der ursprüngliche Wunschkandidat, der nach dem Ausstieg von Christof Nel kurzfristig einsprang und den Auftrag übernahm.

 

Nach dem Auftakt mit Rheingold hatten die Theaterfreunde jetzt Gelegenheit, mit der Walküre die zweite Aufführung zu sehen.

Während beim Rheingold noch teilweise Folgen der kurzen Probenzeit spürbar waren, ist die Inszenierung der Walküre ein perfektes Zeugnis der Freyer'schen Inszenierungskunst. Achim Freyer ist seit Jahrzehnten ein weltweit anerkannter Künstler, der in der Regel Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme für eine Inszenierung selbst erstellt und damit einen unvergleichlichen und jederzeit wieder erkennbaren Stil entwickelt. Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, findet man sich in einer faszinierenden Welt von Bildern und Symbolen, die einen eigenen Sog entwickeln.

 

Auf einer fast leeren Bühne bewegen sich Menschen mit stilisierten Bewegungen und aufwendigen Kostümen. Eine Drehbühne kreist und kommt erst mit dem Tod Siegmunds zum Stehen. Die Beziehungen der Personen sind klar erkennbar, die Handlung wird deutlich vorangetrieben.

 

In Rheingold und Walküre sieht Freyer eine „Göttermaschine, die Wotan schafft, um seine Ewigkeit und Herrschaft zu sichern".

Die Götterdämmerung verkörpert für ihn dagegen die „Menschenmaschine, die, den Göttern entlehnt, mit Verehrung dieser Götter als pervertierte Figuren, ein erschreckendes Bild der Zukunft entwirft". Wir sind gespannt auf die Umsetzung dieser Ideen in den Inszenierungen von Siegfried und Götterdämmerung.

 

Die Rollen sind mit wenigen Ausnahmen mit eigenen Kräften hervorragend besetzt, wobei Heike Wessels die Entdeckung der Inszenierung in der Rolle der Sieglinde ist. Abweichend von einer jahrelangen Tradition erhalten die Zuschauer (wenn notwendig) Verständnishilfe durch die eingespielten Übertitel.

 

Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Generalmusikdirektors Dan Ettinger, einem Dirigenten, der auch außerhalb Mannheims (München, Wien, Tokio) große Erfolge feiert. Das Orchester selbst verfügt über eine große Erfahrung in der Interpretation von Wagners Werken.

 

Der Mannheimer Ring hat durch die Prominenz seines Regisseurs, wie vorhersehbar, nationale Aufmerksamkeit erregt. So schrieb die FAZ nach der Rheingold Premiere: „Der Mannheimer Ring ist eine Reise wert."

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